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Achtsamkeitsimpuls
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Achtsamkeitsimpuls

Staubsaugen, bügeln, Lebensmittel einkaufen: Was mühsam ist, erledigt man in der Regel allein. Filme, Theatervorstellungen oder Ausstellungen besucht man aber lieber in Gesellschaft. Da geht allerdings einiges verloren.

von Anton Ladner 

Eine Studie hat ergeben, dass Menschen, die allein ins Kino gehen, solo ein Konzert besuchen oder eine Ausstellung ansehen, bezüglich geistiger Gesundheit ähnlich davon profitieren wie Menschen, die das in einer Gruppe tun. Sich allein beim Kulturkonsum zu exponieren bereitet aber vielen Menschen Mühe. Man mag nicht allein auf den Filmbeginn warten, in der Pause im Theater allein im Foyer rumstehen oder ohne Gesellschaft durch die Ausstellung ziehen. Allein Kultur zu geniessen ist mit dem Stigma behaftet, gesellschaftlich zu versagen. Das Solo wird als soziales Defizit empfunden. Allerdings hat dieser Schluss nur mit der Selbstwahrnehmung zu tun. Wohl die wenigsten denken so von einer Person, der sie allein in einem Kulturraum begegnen. Und wer so denkt, projiziert lediglich eigene Ängste und Fixierungen. Es gibt nämlich sehr viele gute Gründe für einen Alleingang ins Kino, Konzert oder Museum – ohne soziophob zu sein. Man kann dann nämlich ganz zum Schwamm werden und ohne Ablenkung aufsaugen, was einen umgibt.

Dadurch geht Kultur unter die Haut, weil man keine Rücksicht zu nehmen braucht, indem man zum Beispiel Small Talks am Leben halten muss, um nicht unhöflich zu erscheinen. Kunst ausgesetzt zu sein ist ein intimer Prozess, der seine eigenen Wege einfordert, die man am besten allein beschreitet. Wohl niemand käme auf die Idee, ein Buch nur gemeinsam mit einer Freundin oder einem Bekannten zu lesen. Das ginge schlecht, weil dann die Bilder und Fantasien nicht fliegen können. Beim gemeinsamen Kulturkonsum besteht auch die erhebliche Gefahr, Empfundenes gleich zu zerreden, statt sich den Emotionen hinzugeben. So widersprüchlich es erscheint: Alleingänge in die Kultur sind eine ausgezeichnete emotionale Selbstfürsorge. Weil man sich nur dann der Kunst vollständig aussetzen kann, ganz egoistisch, nur für das eigene Innere.

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