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Achtsamkeitsimpuls
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Kognitive Selbstfürsorge

Während der Pandemie haben sich viele Menschen an die Einsamkeit gewöhnt. Daraus wurde auch für viele eine Gewohnheit. Das kann sich jetzt als gesundheitliche Falle erweisen.  

Anton Ladner

Was während der COVID-19-Pandemie normal war, ist es jetzt nicht mehr. Menschenmengen zu meiden, sich zurückzuziehen, in einem kleinen Umfeld zu leben. Derzeit sorgen Medienberichte über neue Corona-Varianten in China und den USA allerdings da und dort für die Sorge, dass dieser Lebensstil nach einer Art von Rückkehr zum Leben vor 2019 wieder notwendig werden könnte. In der Vergangenheit gab es immer Phasen des nackten Überlebens, dem ein neues Gedeihen folgte. Dem entsetzlichen Krieg gegen die Ukraine wird früher oder später in der Ukraine ein neues Erblühen folgen. Dass es nach einer Katastrophe zu Wachstum kommt, ist eine urmenschliche Erfahrung. 

Im Privatbereich ist das aber bei vielen Menschen nach dem Corona-Rückzug noch nicht der Fall. Neue Erkenntnisse weisen auf eine gewohnheitsmässige Einsamkeit hin, weil abgebrochene Kontakte nicht mehr aufgenommen werden. Dafür gibt es zahlreiche Gründe: Die Hürden scheinen zu hoch, man weiss gar nicht mehr, wo anknüpfen, oder man hat sich neu arrangiert. Das führt zu der Tatsache, dass heute mehr Menschen allein unterwegs sind – aus neuer Gewohnheit. 

Das Prüfungs- und Beratungsunternehmen Deloitte geht davon aus, dass der Anteil der Schweizer Beschäftigten, die von zu Hause arbeiten, seit der Corona-Krise von 25 auf 50 Prozent gestiegen sei und dass die Pandemie dem Homeoffice nach der Krise zu einem permanenten Aufschwung verhelfe. Das hat natürlich auch Folgen für das soziale Leben. Konkret: Die Homeoffice-Beschäftigten sind zu Hause einsamer als am Arbeitsplatz vor dem Beginn der Pandemie. 

Das hat zu einem Trend geführt – viele Menschen legen heute weniger Wert auf soziale Kontakte als früher. In einer Umfrage, die das US-amerikanische Pew Research Center im Mai 2022 durchführte, gaben 35 Prozent der Befragten an, dass Geselligkeit für sie seit dem Ausbruch des Coronavirus weniger wichtig geworden sei. Die zunehmende gewohnheitsmässige Einsamkeit hat aber eine grosse Schattenseite. Die Forschung hat immer wieder gezeigt, dass Isolation mit Depressionen und Angstzuständen verbunden ist. Ausserdem verschlechtert Einsamkeit die kardiovaskuläre Gesundheit, erhöht die Gefahr für Entzündungen und stört Hormone und Schlaf. Also höchste Zeit, den eigenen gesellschaftlichen Rückzug zu überdenken.

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