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Achtsamkeitsimpuls
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Emotionale Selbstfürsorge

Die Lust auf Sexualität hat auch mit Biochemie zu tun, um Geist und Körper in Schuss zu halten – bis ins hohe Alter. Das wäre der Plan der Natur, doch er wird durchkreuzt von einem neuen Phänomen in der übersexualisierten Gesellschaft nimmt das sexuelle Begehren ab. 

Anton Ladner  

Die Daten und Untersuchungen sind unmissverständlich: In der westlichen Welt wird öffentlich immer häufiger Sex thematisiert, der im privaten Rahmen immer weniger stattfindet. Der italienische Jungianer Luigi Zoja, der auch am Jung-Institut in Küsnacht wirkte, geht in seinem soeben erschienenen Buch «Il declino del desiderio» (der Niedergang des Verlangens) diesem Phänomen nach. Die Müdigkeit der Seele, die in Japan als Hikikomori beschrieben wird, als sozialer Rückzug unter jungen Männern, scheint sich auch im Westen auszubreiten. Junge Menschen fangen später an, sexuelle Beziehungen zu haben, und ziehen Sex mit sich selbst vor. Psychologen beobachten dabei eine wachsende Zahl junger Menschen, die in Spannungen mit ihrem Körper stehen und deshalb nicht in der Lage sind, ein entspanntes Sexualleben zu führen. Die digitalen Plattformen vermitteln Erfahrungen, die mental statt physisch sind, abstrakt statt konkret. Heute leben viele Menschen nur noch in digitalen Kontakten, in Blasen ohne echte Emotionen. In der Sexualität sind Pornos und die Darstellungen der Influencer zur Referenz geworden. Mit solchen neuen Bezugspunkten kann man jedoch im Alltag nur verlieren, weil es sich um unnachahmliche Parameter handelt. Fazit: Die sexuelle Aktivität nimmt stetig ab, vor allem bei den Jungen. Nicht einmal das Aufkommen von Dating-Apps hat diesen Kurs korrigiert, im Gegenteil. Nach nicht erfüllenden Erfahrungen haben viele einen Rückzug vorgezogen.  

Der Psychoanalytiker Luigi Zoja spricht von einer «Flucht vor der Intimität der Körper». Das geht jedoch auf Kosten einer emotionalen Selbstfürsorge. Entgegen der allgemeinen Erwartung handelt es sich bei der Intimität des Körpers um eine Emotions-Quelle, die immer wieder neu erschlossen werden muss. Besonders in langjährigen Beziehungen.

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