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Achtsamkeitsimpuls
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Spirituelle Selbstfürsorge

Mit den kommenden Festtagen Weihnachten und Silvester sind sehr viele Erwartungen verknüpft, die oft belasten statt begeistern. Dagegen hilft eine Fokussierung auf Werte, was leicht gelingt. 

Anton Ladner 

Freunde, die es sich auf einem roten Sofa vor einem bunten Christbaum gemütlich gemacht haben, strahlen sich zu. An einem herrlich dekorierten Tisch sitzt eine Grossfamilie und vergnügt sich sichtbar. In einer eleganten Bar auf einer Dachterrasse stösst eine Gruppe auf das neue Jahr an, im Hintergrund leuchtet der Hafen von Oslo. Diese Inszenierungen in der Werbung können auch bei lebenserfahrenen Menschen immer noch Wirkung erzeugen. So sieht das Ideal der Festtage aus, so sollte es sein, so muss es werden. Dann kann ein leichter Stich spürbar werden, weil es so nicht wird, weil die Realität ganz anders aussieht – viel bescheidener, ohne Glanz. Wenn das Irreale zur Norm erklärt wird, geraten die Emotionen leicht durcheinander. Das beginnt am Hauptsitz der Credit Suisse am Paradeplatz, der kitschig auf Weihnachten dekoriert ist. Vor dem Gebäude der Bank steht ein enormer Christbaum, die Bank erklärt derweil, religiös neutral zu sein. Was soll dann das Ganze?  

Wenn sinnentleerte Normen zelebriert werden, bleibt das Selbst früher oder später auf der Strecke. Besonders an Weihnachten gilt deshalb der Zuruf: «Halt an, wo läufst du hin, der Himmel ist in dir.» Aus der Sicht der Mystiker geht es an Weihnachten darum, sich auf sich zurückzubesinnen, das Licht in sich zu entdecken. Christliche Mönche sprechen von habitare secum, bei sich zu Hause sein, als Ziel. Es geht um den Frieden des In-sich-Ruhens und darum, dieses neue Selbstbewusstsein zu pflegen und zu leben. Weihnachten und Silvester können deshalb auch als Feste der Bewusstseinsentwicklung gefeiert werden. Dazu braucht es keine lange Tafel, grossen Geschenke und an Silvester keine Roofbar mit Aussicht auf Oslo. Aber vielleicht etwas Dankbarkeit, Weihnachten 2022 noch zu erleben – ohne Hunger, Kälte und Bomben. Denn Dankbarkeit bietet die Möglichkeit, sein Leben zu formen und zu gestalten. Dankbarkeit ist eine Haltung, die dem Menschen geistiges Wachstum ermöglicht, um mit sich und dem Leben besser umzugehen.

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