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Achtsamkeitsimpuls
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Achtsamkeitsimpuls

Die Arbeitswelt ist nach der Pandemie-Erfahrung im Umbruch. Das Homeoffice, die Notmassnahme, wird in angepasster Form weiter bestehen. Die Rede ist von hybrider Arbeitsform. Das hat unterschiedliche Folgen für Introvertierte und Extrovertierte. 

von Anton Ladner 

Die Klagen über die negativen Folgen von Homeoffice sind bekannt und wurden in den Medien zahlreich vertieft. Jetzt ist die Homeoffice-Pflicht gefallen, aber eine vollständige Rückkehr zum externen Arbeitsplatz wird es wohl nicht mehr geben. Laut mehreren Umfragen befürwortet eine klare Mehrheit eine Mischform, drei Tage im Büro, zwei Tage zu Hause in der Woche zum Beispiel. Der Chefökonom von economie suisse geht davon aus, dass eine veränderte Form von Homeoffice überleben werde. Die Welt war vor der Pandemie ganz auf Extrovertiertheit ausgerichtet, auf Aktionismus, starke Auftritte an Sitzungen, auf Selbst-Marketing. Das Homeoffice hat diesem griechisch-römischen Ideal von Rhetorik und Selbstverwirklichung ein Ende gesetzt. Video-Konferenzen dauerten wesentlich kürzer und liessen nur wenig Raum für Selbstdarstellungen, weil man weniger sicht- und spürbar war. Eigentlich war das eine gute Zeit für introvertierte Menschen, sie nahmen keinen quälenden Unterschied mehr wahr.   

Aber Büros bieten viele Möglichkeiten, Kontakte zu pflegen, Kollegialität zu leben, gemeinsam Ideen zu entwickeln oder einfach Geselligkeit zu spüren. Das hat immer auch mit einem Stück sozialer Selbstfürsorge zu tun. Extrovertierte brauchen Zuschauer, Introvertierte einen Auslöser für den Neurotransmitter Dopamin, um ein Vergnügungsgefühl für ihre Arbeit zu generieren, die sie zu Hause in der Stille besser erledigen können als in der Arena eines Büros. Deshalb leiden Introvertierte viel weniger unter Monotonie im Homeoffice, an der mangelnden Grenze zwischen Arbeit und Zuhause oder der fehlenden Bühne für Auftritte.   

Vor der Pandemie wurde die physische Sichtbarkeit im Büro grundsätzlich mit der Arbeitsbereitschaft gleichgesetzt. Das ist aber eine Illusion, wie die Pandemie erzwungen hat einzugestehen. Denn auch in der Arbeit brauchen Menschen unterschiedliche Dinge auf unterschiedliche Weise, zu unterschiedlichen Zeiten, um gute Leistungen erbringen zu können. Die Flexibilität zwischen Büropräsenz und dem Homeoffice kommt dem entgegen, denn jeder Mensch hat introvertierte und extrovertierte Eigenschaften. Deshalb braucht der eine mehr Homeoffice und der andere mehr Büropräsenz.  

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