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Achtsamkeitsimpuls
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Spirituelle Selbstfürsorge

Jeder Mensch befindet sich in irgendeiner Weise auf einer spirituellen Wegsuche. Letztlich geht es darum, die eigenen geistigen Grenzen zu überschreiten. 

Anton Ladner  

Vor einem Jahr hat Niklaus Brantschen sein Buch «Gottlos beten» herausgegeben und für Überraschung gesorgt. Denn Brantschen ist als Jesuit der katholischen Kirche verpflichtet. Er ist aber auch ein Zen-Meister und wirkt im Lassalle-Haus bei Zug, das sich als Zentrum für Spiritualität versteht. Dort baut das vielfältige Angebot auf einer Erkenntnis auf: «Stille bewegt». Deshalb ist es naheliegend, dass sich Niklaus Brantschen mit der Frage auseinandergesetzt hat, ob ein Mensch, der nicht glaubt, ein spiritueller Mensch sein kann.   

Im Alltag wird Spiritualität schnell mit Religiosität gleichgesetzt. Das bedeutet dann, einer Glaubensgemeinschaft anzugehören, die Gottesdienste zu besuchen und eben zu beten. Das ist aber zu eng gefasst und verschliesst dadurch die Möglichkeit, befreiende Spiritualität zu leben. Bei der Spiritualität geht es in erster Linie um eine Verbundenheit, um eine Bindung an einen Glaubenssatz, an einen Wert, an eine Überzeugung. Diese starke Bindung generiert Halt und Kraft, was zur spirituellen Erfahrung führt. Zugespitzt formuliert: Spiritualität ist eine ausgelagerte Batterie, die einen mit Energie versorgt. Das Paradoxe daran ist jedoch, dass diese externe Kraft durch ein Sich-nach- innen-Wenden entsteht. Dann erschliesst sich langsam eine spirituelle Intelligenz. Was ist das? Staunen über die Schönheit, bewundern, wie raffiniert Tiere sich verhalten, und wahrnehmen, welchem Wechselbad die eigenen Gefühle ausgesetzt sind. Diese Erlebniswelten haben viel mit Eigenverantwortung für sein Leben und mit Mündig-Werden zu tun. Denn diese Sensibilität für sich erschliesst eine stärkere Wahrnehmung, wie alles zusammenwirkt und dadurch auch Neues entsteht. Dem nachzuspüren, eröffnet transzendente Erfahrungen. Das sind Berührungen mit Bereichen jenseits eigener Erkenntnisse. Die Überschreitung von eigenen Grenzen hat die Menschen schon immer fasziniert. Das ist heute vor allem beim Sport in allen Medien permanent sichtbar. Aber das ist auch auf einer geistigen Ebene möglich, als spirituelle Selbstfürsorge. 

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