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Die Ungewissheit von Twitters Zukunft und die Wiederzulassung von Donald Trump auf Twitter aktualisieren eine zentrale Frage: Sind digitale Medien mitverantwortlich für eine Schwächung der Demokratie? 

Maria Einhorn 

Während Öffentlichkeit und Politik die Risiken sozialer Medien breit diskutieren, argumentieren Technologieunternehmen, dass die Auswirkungen nicht eindeutig belegt seien. Pauschal zu verteufeln sind digitale Medien sicherlich nicht. Allerdings können sie Polarisierung und Populismus – besonders in etablierten Demokratien – befeuern. Darauf weist eine Studie des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung, der Hertie School in Berlin und der University of Bristol hin. Sechs Schlüsselfaktoren verändern sich mit der Nutzung digitaler Medien besonders und haben einen relevanten Einfluss auf die Demokratie: Partizipation, politisches Wissen, Vertrauen, Polarisierung, Populismus sowie Echokammern. Die ersten beiden Faktoren wirken sich dabei tendenziell positiv aus: Die Möglichkeit politischer Teilhabe über Online-Medien fördert die Mobilisierung von Wählerinnen und Wählern und die Wahlbeteiligung, was die demokratische Legitimation von Regierungen und Parlamenten stärkt. Zudem können digitale Medien politisches Wissen fördern und für ein vielfältigeres Nachrichtenangebot sorgen. Ein kleinerer Teil der Untersuchungen belegt aber auch negative Auswirkungen auf politische Kenntnisse, beispielsweise durch den Effekt «news finds me»: So tendieren Social Media User dazu, sich nicht mehr aktiv zu informieren, da sie davon ausgehen, dass wichtige Informationen sie automatisch erreichen. 

Eine Vielzahl der zugrunde liegenden Studien bescheinigt, dass die Nutzung digitaler Medien das Vertrauen in die Politik und in demokratische Institutionen wie Parlamente beschädigt. Auch das Vertrauen in klassische Medien wie Zeitungen und Fernsehsender sinkt. Zusätzlich wachsen der Populismus – in Europa besonders am rechten Rand des politischen Spektrums – und die Polarisierung in der Bevölkerung. Das zeigen nicht nur Korrelationsstudien, sondern auch Studien über kausale Zusammenhänge.  

Beim Phänomen der «Echokammern», also der Problematik, dass Meinungen und Informationen online nur unter Gleichgesinnten ausgetauscht werden, war bislang fraglich, ob es tatsächlich existiert. Nach der aktuellen Untersuchung hängt die Antwort stark davon ab, welche digitalen Medien untersucht wurden. So können im Internet allein keine Echokammern festgestellt werden, innerhalb der Beziehungsnetzwerke in sozialen Medien dagegen schon. Und dort haben sie durch ihre Abgeschlossenheit und mögliche Radikalisierung auch einen negativen Einfluss auf die Demokratie.

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