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Achtsamkeitsimpuls
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Achtsamkeitsimpuls

Die meisten sind richtig schlecht darin, die eigene gute Gesundheit zu schätzen und das auch anderen gegenüber zum Ausdruck zu bringen. Dabei entsteht dadurch viel Gewinnendes.

 Anton Ladner

«Gesundheit wird nicht geschätzt, bis die Krankheit kommt», schrieb der britische Gelehrte Thomas Fuller. Und für den deutschen Philosophen Arthur Schopenhauer stand fest: «Die Gesundheit ist nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts.» Dennoch: Alle, die Gesundheitsprobleme durchstehen und deshalb Dankbarkeit empfinden, leben nur sehr kurze Zeit in diesem Modus. Der Glanz einer Genesung blättert erstaunlich schnell. Das Gehirn will nämlich keine Energie an gut Funktionierendes verlieren, um das Überleben sicherzustellen. Deshalb liegt der Fokus immer auf möglichen Krisen. Der Verstand ist darauf aus, Bedrohungen und Probleme erkennen zu wollen, was in der Psychologie als Negativitätsvorurteil beschrieben wird. Die Aufmerksamkeit ist deshalb vor allem auf das gelenkt, was falsch läuft. Der kleinste Schmerz an einem Zeh dominiert die ganze Körperwahrnehmung, obschon der Körper wunderbar funktioniert.

Ein zweites psychologisches Phänomen, das der Dankbarkeit entgegenwirkt, ist die hedonische Anpassung, der Effekt der Gewöhnung. Menschen, die im Lotto zehn Millionen Franken gewonnen haben, sind auf lange Sicht nicht glücklicher als diejenigen, die nichts gewonnen haben. Natürlich kann man nicht den ganzen Tag dankbar sein, wenn der Körper keine Probleme bereitet. Aber ein kleiner Gedankenblitz der Dankbarkeit verhilft vor allem in sozialen Kontakten zu einer guten Grundstimmung. In der Regel wird ja im sozialen Austausch vor allem über Gesundheitsprobleme gesprochen. Die Gesundheit als selbstverständlich anzusehen hat auch einen Preis: Man kann leicht weniger gesund werden, weil man sich nicht um sich kümmert. Und Dankbarkeit wird unter anderem mit einer höheren Lebenszufriedenheit, einem gesteigerten Wohlbefinden und einer besseren Fähigkeit, Beziehungen aufzubauen und zu pflegen, in Verbindung gebracht. Dankbarkeit ist nämlich weit mehr als eine positive Emotion, die daraus resultiert, dass einem etwas Gutes widerfährt. Sie kann auch dadurch gelebt werden, dass etwas fernbleibt.

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