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Achtsamkeitsimpuls
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Soziale Selbstfürsorge

Erfolg und materieller Wohlstand gelten als die Wege zum Glück. Doch die nachhaltigen Glücksprinzipien basieren auf anderen Erkenntnissen. Sie erfordern allerdings Investitionen, die früh beginnen sollten. 

Anton Ladner 

Gibt es eine Formel für ein glückliches Leben? In der Erziehung und Bildung werden zumindest Muster angeboten, die ein glückliches Leben ermöglichen. Ein hoher Ausbildungsabschluss, Fremdsprachen, sportliche Herausforderungen, weitere akademische Titel usw. In der Regel führt dieser Weg zu einer entsprechenden Berufskarriere mit einem guten Einkommen. Dann folgen die Errungenschaften, die einen solchen Weg symbolisieren: Eigenheim, SUV, die vielen Kleinigkeiten, die das Glück vervollständigen sollen. Doch die Liebe für Dinge, die wie Planeten um das Ich kreisen, verlieren an Strahlkraft, und dann stellt sich vor allem bei Männern die Mittelebenskrise ein. Was folgt nach dem Erreichten? 

Robert Waldinger hat für die Harvard-Studie über die Entwicklung Erwachsener, die 1938 ihren Anfang nahm, Daten erhoben und Forschungsergebnisse zusammengetragen. Die Erkenntnisse daraus erscheinen im Januar in den USA im Buch «The good life» (Das gute Leben). Die Studie begann mit Menschen in ihren Teenagerjahren und hat sie bis ins hohe Alter untersucht – und danach deren Kinder. Die erste Erkenntnis aus dieser Langzeitstudie lautet: Man muss seinen Körper für 100 Jahre Funktionsfähigkeit pflegen. Das heisst, sich bewegen, gesund ernähren, genügend schlafen und auf Gifte (Alkohol, Nikotin usw.) möglichst verzichten. Dann steigt die Wahrscheinlichkeit stark, glücklich zu leben. Die zweite Erkenntnis: Menschen, die am glücklichsten sind, sind nicht nur am gesündesten, sondern auch diejenigen, die mehr und engere soziale Beziehungen haben. Es geht dabei um Beziehungen aller Art: Freunde, Arbeitskollegen und lockere Kontakte. All das trägt zu einem glücklicheren und gesünderen Leben bei – vor allem wenn man älter wird. Erkenntnis drei: Die Botschaft, den Schwerpunkt auf Beziehungen erst zu verschieben, wenn die Karriere Fahrt aufnimmt und sich der Erfolg einstellt, ist falsch. Beziehungen lassen sich nicht aufschieben, aber zugunsten von beruflichem Erfolg wegschieben. Erkenntnis vier: Zentral ist eine Bindung an einen anderen Menschen für das Gefühl, dass eine andere Person für einen da ist, wenn man sie braucht. Denn Beziehungen sind Sicherheitsnetze und regulieren den Stress, der ja zunimmt. Stress löst die sogenannte Kampf-oder-Flucht-Reaktion aus, bei der der Körper buchstäblich auf Hochtouren läuft, um zu fliehen oder anzugreifen. Unregulierter Stress kann deshalb die Körpersysteme abnutzen. Krankheiten des Alterns können so früher auftreten und das Leben überschatten. 

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