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Achtsamkeitsimpuls
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Achtsamkeitsimpuls

Der Körper ist eine Art Hafen des Geistes. Wer seinen Geist dorthin zurückführt, erfährt neue Energie, durch die der Alltag anders erscheint.  

Anton Ladner 

Thich Nhat Hanh war ein vietnamesischer buddhistischer Mönch, der vergangenen Januar mit 95 Jahren verstorben ist. Neben dem Dalai Lama war er der bekannteste Vertreter des Buddhismus und ein berühmter spiritueller Friedensaktivist. Er gilt als ein Pionier und Wegbereiter der Achtsamkeit in der westlichen Welt, hat dazu aber neue Wege eingeschlagen. Denn es galt, die alten Weisheiten den Herausforderungen des modernen Lebens anzupassen. Für ihn stand fest, dass Achtsamkeit eine Art von Energie ist, die entsteht, wenn der Geist in den Körper einkehrt. Bei den heutigen Herausforderungen ist die Amygdala, ein Teil des limbischen Systems im Gehirn, sehr oft im Einsatz – häufig zu oft. Sie ist an emotionalen Reaktionen zentral beteiligt, vor allem an der Entstehung von Angstgefühlen.

In Gefahrensituationen, auch in vermeintlichen, löst sie einen biochemischen Prozess aus, indem sie dafür sorgt, dass Botenstoffe und Stresshormone ausgeschüttet werden. Sinn und Zweck dieses Prozesses ist, den Körper für die Flucht oder den Angriff fit zu machen. Aber im modernen Leben ist in der Regel weder eine Flucht noch ein Angriff angezeigt. Das führt zu Überreaktionen, die nicht unbedingt von der Umgebung wahrgenommen werden müssen. Denn es gibt auch Überreaktionen in Form von Bluthochdruck, Herzrasen, Angstzuständen und Verkrampfungen. Wer in einem solchen Moment den in Alarm versetzten Geist in seinen Körper zurückführt, kommt mit dem in Berührung, was gegenwärtig tatsächlich ist. Man wird sich seiner Atmung bewusst, wird langsam präsent für sich und dann auch für seine Umgebung, so wie sie tatsächlich ist – nämlich bedeutend weniger beängstigend, als die Amygdala vermittelt hat.   

Die Energie der Achtsamkeit hilft, das Leben – so wie es ist – zu berühren, ohne die Angst-Zutaten der Amygdala. Achtsamkeit ist keine harte Arbeit, sondern lediglich der Wille, mit seinem Geist in seinen Körper zurückzukehren. Denn er ist der sichere Hafen, um Ruhe zu finden und um das Getose draussen als Ereignis ohne Gefahr für das eigene Leben wahrzunehmen.

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