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Achtsamkeitsimpuls
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Achtsamkeitsimpuls

Für viele gehört das Homeoffice jetzt der Vergangenheit an. Der entspannte Modus ist dem Büroalltag gewichen. Das löst da und dort Depressionen aus, der Arbeitsalltag überschattet das ganze Leben. Wie damit umgehen?

Anton Ladner

Laut Erhebungen dauert eine typische Berufskarriere 80 000 Stunden, das entspricht 475 Wochen nonstop. Der Mensch lebt aber im Schnitt um 4000 Wochen, davon 1000 Wochen schlafend. Somit hat er für jede Stunde seiner Karriere fünf wache Stunden, in denen er nicht arbeitet. Lohnt es sich da, sein Leben von Spannungen und Problemen bei der Arbeit überschatten zu lassen?

Arbeit ist für viele identitätsstiftend und fast das ganze Leben. Aber die Arbeit macht nur ein Sechstel der wachen Existenz aus. Karrieren sind nie eine lineare Abfolge von Titeln und Erfolgen. Deshalb hilft es, das Arbeitsleben in zwei Dimensionen zu sehen: die horizontale Erkundung von Ideen, Fähigkeiten und Aufgaben und das vertikale Engagement für einen einzigen Arbeitsbereich, den man liebt. Wenn man so vorgeht, verlieren die Rahmenbedingungen bei der Arbeit an Schärfe, denn die Bedingungen am Arbeitsplatz sind immer suboptimal, sie könnten immer besser sein. Wenn man eine Arbeit für seine Seele hat, erträgt man Suboptimales bedeutend leichter, als wenn man einer Arbeit aus Prestige nachgeht. Manche Menschen nehmen eine Stelle mit einem langen Anfahrtsweg an, ohne zu bedenken, was das für ihre Gesundheit bedeutet. Oder sie müssen viel reisen, ohne sich Rechenschaft zu geben, was das für das Familienleben heisst. Oder aber sie stürzen sich in einen aufreibenden Job, um Geld zu verdienen, das sie nicht brauchen. Viele Menschen sind dabei mit sich nicht schonungslos ehrlich, weil der berufliche Ehrgeiz ihre Sicht eintrübt.

Diese Strebsamkeit ist in erster Linie eine Sache des persönlichen Geschmacks, der natürlich durch Herkunft, Erziehung und Umfeld geprägt sein kann. Karriere ist aber auch, in einer Arbeit ganz aufzugehen, den Flow zu empfinden, der tief befriedigt. Die Rahmenbedingungen kann man in der Regel kaum beeinflussen, seine Einstellung zum Arbeitsalltag, die Herangehensweise und die Umsetzung jedoch schon. Das Selbstwertgefühl sollte dabei nicht auf die Anerkennung durch Berufskollegen ausgelagert werden, sondern zum Beispiel von Aufgaben genährt werden, die an der Grenze des eigenen Potenzials liegen. Es spielt dabei keine Rolle, ob das im Berufsalltag oder in der Freizeit stattfindet. Entscheidend ist einzig und allein die tiefe Befriedigung, die stärkt und Zuversicht schafft.

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