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Anne Challandes
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Mein achtsamer Blick:

 

Iris Menn,
Meeresbiologin und Geschäftsleiterin, Greenpeace Schweiz

Die Rolle der Schweiz bei der Zerstörung der Tiefsee

Während die Regierungen der Welt darüber diskutieren, ob der Tiefseebergbau erlaubt werden soll, besetzten am Morgen des 10. Dezember 2021 etwa 20 Greenpeace-Aktivistinnen und -Aktivisten aus der Schweiz, den Niederlanden und Deutschland ein für den Tiefseebergbau vorbereitetes Schiff. Sie hängten ein Banner mit der Aufschrift «Kein Tiefseebergbau» an das riesige, zwei Fussballfelder lange Schiff namens Hidden Gem. Das Schiff gehört der Schweizer Firma Allseas aus dem Kanton Freiburg und wird seit September als weltweit erstes für den Tiefseebergbau umgebaut.

Die Hidden Gem soll bald zu einer ersten Test-Expedition für den Abbau von Manganknollen in einer Meerestiefe von mehr als 4000 Metern aufbrechen. Die Knollen enthalten Metalle wie Mangan, Kobalt und Nickel, die potenziell in der Elektronikindustrie verwendet werden könnten. Die Tiefsee aber ist eines der letzten nahezu unberührten Gebiete in unseren Meeren. Durch den Tiefseebergbau würden dieses Ökosystem und seine Artenvielfalt unwiederbringlich zerstört. Es zeugt von Desinteresse gegenüber den Schätzen der Natur und von Profitgier, dass sich Allseas auf die Zerstörung der Tiefsee vorbereitet, während zahlreiche Staaten und grosse private Konzerne ein Moratorium für den Tiefseebergbau fordern.

Der Greenpeace-Protest fand statt, während auf Jamaika die Internationale Meeresbodenbehörde ISA die Öffnung des Meeresbodens für den Bergbau beriet. Die ISA hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Lizenzanträge für die Erkundung und den Abbau von Bodenschätzen zur Prüfung angenommen. Derzeit umfassen diese Lizenzen bereits mehr als 36-mal die Fläche der Schweiz. Die Gefahr ist gross, dass die ISA dem Ansturm auf die Bodenschätze der Tiefsee Tür und Tor öffnet. Genau deshalb sind die Schweiz und der Bundesrat gefordert, sich öffentlich und lautstark für ein Moratorium für den Tiefseebergbau einzusetzen.

Bisher aber erteilt der Bundesrat dem Meeresschutz noch eine Absage. In seiner Antwort auf eine parlamentarische Interpellation zum Tiefseebergbau bezieht der Bundesrat keine klare Position. Die Unterstützung eines Moratoriums ist ein konkreter erster Schritt, um die internationale Verpflichtung zum Schutz der biologischen Vielfalt in die Tat umzusetzen, und ein Beitrag zum Klimaschutz. Denn die Ozeane spielen eine entscheidende Rolle für das Klima. Um den Bundesrat endlich zu einer ehrgeizigen Position zum Meeresschutz zu bewegen, hat Greenpeace Schweiz eine Petition mit konkreten Forderungen an die Schweizer Regierung lanciert. Denn wir befinden uns an einem Scheideweg: Der Schutz der Meere spielt eine wichtige Rolle im Kampf gegen die globale Erwärmung und das Massensterben der Arten. Die Schweiz muss ihre Doppelzüngigkeit beenden und sich konkret für den Schutz der Ozeane einsetzen.

Iris Menn, Meeresbiologin und Geschäftsleiterin, Greenpeace Schweiz

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