Anne Challandes
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Mein achtsamer Blick:

Jodok Guntern, Stellvertretender Leiter Forum Biodiversität, Akademie der Naturwissenschaften Schweiz (SCNAT). 

Schweiz hat zahlreiche Handlungsmöglichkeiten für die Biodiversität  

Der starke Rückgang der Biodiversität weltweit, gerade auch in der Schweiz, beeinträchtigt zunehmend die Lebensgrundlagen des Menschen. Der Weltbiodiversitätsrat IPBES zeigt in seinen Berichten vielfältige Möglichkeiten auf, wie sich dem Verlust entgegenwirken lässt und die Leistungen der Natur für die Menschen bewahrt werden können. Fachleute haben nun unter Federführung des Forums Biodiversität Schweiz und «Interface Politikstudien» die Relevanz dieser IPBES-Handlungsoptionen für die Schweiz beurteilt und in einem Bericht umfassende Empfehlungen für acht ausgewählte Sektoren und übergreifende Aspekte formuliert. Eine Synthese des Berichts liegt als Faktenblatt mit dem Titel «Was die Schweiz für die Biodiversität tun kann» vor. 

Im Finanzsektor zum Beispiel wäre die Weiterentwicklung einer Beurteilungsmethode für Biodiversitäts- und Umweltwirkungen auf alle Unternehmen und Finanzgeschäfte inklusive einer Offenlegungspflicht wichtig. Auch ein griffiges Label für nachhaltige Finanzprodukte kann die Biodiversität unterstützen und dem Schweizer Finanzplatz gleichzeitig einen Standortvorteil im wachsenden Geschäft mit nachhaltigen Finanzprodukten bieten. 

Der Ausbau der erneuerbaren Energien und der daraus resultierende Klimaschutz können sich positiv auf die Biodiversität auswirken, wenn dies bei der Planung und der Umsetzung konsequent berücksichtigt wird. Dazu ist es wichtig, die Umweltkosten zu internalisieren, Konflikte zwischen Schutz- und Nutzungsinteressen zu benennen und im Dialog zu minimieren. Solche Zielkonflikte können durch die Förderung von Energieeffizienz und -suffizienz zusätzlich reduziert werden. 

In der Landwirtschaft sind bereits viele der vom Weltbiodiversitätsrat vorgeschlagenen Handlungsmöglichkeiten zumindest teilweise umgesetzt. Trotz gewisser Erfolge ist die Umsetzung aber noch zu wenig wirksam für die Biodiversität. Ein Grund für die anhaltenden Biodiversitätsverluste im Landwirtschaftsgebiet sind die vielen biodiversitätsschädigenden Anreize, insbesondere gewisse Subventionen. Diese umzugestalten oder abzuschaffen hätte eine grosse Wirkung. Neben Massnahmen direkt in der Landwirtschaft sind auch ein tiefgreifender Wandel entlang der gesamten Wertschöpfungskette und eine Änderung des Konsums nötig, um die Nachhaltigkeit zu fördern. 

Zentral für die Biodiversität ist zudem genügend Fläche mit hoher ökologischer Qualität: Um die Verluste zu stoppen, müssten rund 30 Prozent der Landesfläche als Vorrangflächen für die Biodiversität ausgewiesen und in Richtplänen und Nutzungsplanungen abgesichert werden. Die Schweiz ist aktuell erst bei rund der Hälfte. 

Jodok Guntern, Stellvertretender Leiter Forum Biodiversität, Akademie der Naturwissenschaften Schweiz (SCNAT). 

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