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Achtsamkeitsimpuls
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Achtsamkeitsimpuls

Unter körperlicher Selbstfürsorge verstehen viele, sich ein teures Essen zu gönnen, begleitet von einem edlen Wein. Doch das ist altes Denken.

von Anton Ladner

Natürlich: Körperliche Selbstfürsorge hat viele Aspekte. Sie reicht von erfüllendem Sex bis hin zu füllendem Gaumenschmaus. Viele neigen mit zunehmendem Alter dazu, die Liebe auf das zu reduzieren, was durch den Magen geht. Nicht selten steht aber das vermeintliche Essvergnügen im Widerspruch zu einer guten körperlichen Selbstfürsorge. Wenn auf einem grossen Stein halbrohe Filetstücke gereicht werden, auf Baumrinde marinierter Fisch und auf Zweigen frittierte Lorbeerblätter, erscheint das dem Ehepaar, das sich ein besonderes Nachtessen an guter Adresse gönnt, als aufregend.

Als Körpervergnügen erweist sich das Servierte aber nicht, zu exotisch – zu wenig Gaumenfreude und zu wenig, um den Magen zu füllen. Wenn es später ans Zahlen geht, hinterlässt das Magengefühl den Eindruck, viel zu viel für viel zu wenig zu zahlen. Da kann wahrscheinlich die schwedische Ernährungsberaterin Hanna Olvenmark für bessere Gefühle sorgen. Die Autorin propagiert ein gutes, gesundes und günstiges Essen.

Der Titel ihres zweiten Buches sagt alles: «Nachhaltig kochen unter ein Euro.» Das klingt sehr herausfordernd und spannend, auch wenn der Euro für eine Portion gemeint ist. Ein Mittagessen also für eine fünfköpfige Familie für gut fünf Franken. Hanna Olvenmark räumt ein: Günstige Ernährung sei wie ein Training, man müsse Zeit reinstecken. Sie weiss es, denn auf diese Idee kam sie, weil sie sich mit der Ausgabenreduktion eine Reise finanzieren wollte. Das sind zwei extreme Welten, die Filetstücke auf dem Stein und Olvenmarks Ein-Euro-Essen. Sie räumt aber mit dem Mythos auf, dass alle guten Lebensmittel teuer sein müssen.

Mit Freude, Leidenschaft und Innovation findet man zu guten Lebensmitteln, die klimafreundlich, gesund sind und wirtschaftlich Sinn ergeben. Löwenzahn zum Beispiel. Die Blätter sorgen zusammen mit gekochten Eiern für einen wunderbaren Salat und die Blütenknospen lassen sich zu einer Köstlichkeit frittieren. Das ist ein Erlebnis, das durch den Magen geht, aber dabei noch viel mehr vom Körper mit einbindet, kurz körperliche Selbstfürsorge mit neuem Denken.

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