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Achtsamkeitsimpuls
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Achtsamkeitsimpuls

Es ist bitter, aber wahr: Negative Gefühle sind mächtiger als positive. Sie können leicht den Tag dominieren. Deshalb brauchen negative Gefühle eine Art Management. Das ist leichter zu lernen, als es scheint. 

von Anton Ladner 

Der US-amerikanische Anthropologe und Psychologe Paul Ekman identifizierte sieben Basisemotionen. Sie sind nach seiner Meinung kulturübergreifend und dominieren alle Menschen: Angst, Ekel, Wut, Verachtung, Trauer, Freude und Überraschung. Da sie Bestandteile der menschlichen Existenz sind, gelten sie als Grundgefühl. Heute werden auch Hass und Liebe oder Scham und Schuld dazu gezählt. Die Aufzählung macht klar: Die negativen Gefühle überwiegen stark. Daraus kann leicht abgeleitet werden, dass der Mensch in seinem Alltag mit mehr negativen Emotionen konfrontiert ist als mit guten. Wie damit im sozialen Kontext umgegangen wird, hängt von vielen Faktoren ab. Denn je nach kulturellem Kontext ist der Ausdruck von Emotionen erwünscht oder unerwünscht. 

Im 4. Jahrhundert v. Chr. unterschieden die Kyrenaiker nur zwei  Affekte: Unlust und Lust. Aristoteles verband damit die seelischen Vorgänge Begierde, Zorn, Furcht, Mut, Neid, Freude, Hass, Eifer, Mitleid und Sehnsucht.  Später reduzierten Descartes und dann Spinoza den Reigen dieser Gefühle. Für Spinoza waren schliesslich nur noch Freude, Begierde und Hass Triebfedern im Alltag. Wie auch immer: Die Macht der nativen Gefühle hat einen evolutionären Grund und hat dem Menschen das Überleben ermöglicht. Die Angst vor Feuer, Wasser, wilden Tieren, Feinden ist ein gutes Beispiel dafür. Das Leben hat sich aber seither gewaltig verändert, ohne dass sich laut Anthropologen das menschliche Gehirn entsprechend angepasst hätte. Die Entwicklung schritt dafür zu schnell voran. Deshalb muss der Mensch heute seine Gefühle mit Gedanken managen. Negative Gefühle, die sich oft in einer Abwärtsspirale verstärken, können gedanklich gestoppt werden. Mehrere Studien haben gezeigt, dass Gedanken einen massgebenden Einfluss auf Gefühle haben. Ein Tunnelblick, die Fixierung auf ein konkretes Ziel, hilft zum Beispiel, negative Gefühle abklingen zu lassen. Ein Rückblick am Abend, was alles gelungen ist, was schöne Momente waren, lässt Sorgen kleiner erscheinen und nimmt anstehenden Herausforderungen die Schärfe. Einen guten Umgang mit negativen Gefühlen kann man trainieren. Der erste Schritt ist, es zu wollen. 

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