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In vielen Küstenländern mussten aufwendige und kostspielige Installationen getätigt werden, um das Land vor Überschwemmungen und Erosion zu schützen. Dabei gäbe es eine einfachere Lösung, die sich auch positiv auf die Umwelt auswirken würde: Mangroven.  

von Flavia Müller 

Mangroven sind Bäume, die sich ideal an Küstenregionen und den höheren Salzgehalt im Wasser angepasst haben und nur dort wirklich beheimatet sind. Sie brauchen warme Wassertemperaturen und eine Mischung aus Salz- und Süsswasser zum Überleben. In ihren Ästen und Luftwurzeln leben zahlreiche Vogelarten. Und Fische nutzen die Mangroven als Brutstätte und Kinderstube, denn zwischen den Bäumen und dem dichten Wurzelwerk finden sie ausreichend Nahrung und Schutz. 

Seit den Achtzigerjahren haben die wertvollen Mangroven weltweit jedoch um 35 Prozent abgenommen. Sie werden gefällt, um Platz für Häuser zu schaffen, zur Holzgewinnung oder um Shrimps-Farmen anzulegen. Vietnam gehört dabei zu den führenden Shrimps-Exporteuren. Im letzten Jahr hat das Land 170 000 Tonnen der rosa Delikatesse auf dem Weltmarkt verkauft – Hauptabnehmer sind Japan und die USA, Europa steht an dritter Stelle. 
Durch diese Abholzung geht der natürliche Küstenschutz im Mekong-Delta verloren und die Gefahr von Überschwemmungen steigt massiv. 

Denn Mangroven dienen als natürlicher Küstenschutz vor Wellen, Sturmfluten und Überschwemmungen. Durch den dichten Pflanzenbewuchs reduzieren Mangroven die Wirkung von Naturkatastrophen im Landesinneren und schützen weltweit mehr als 18 Millionen Menschen vor Überflutungen. Ein Mangrovenwald kann Wellenhöhen von 500 Metern Breite um 50 bis 100 Prozent senken und hilft damit auch, die Küstenlinien zu stabilisieren und die Küstenerosion zu mindern.  

Die Philippinen sind ein – leider dunkles – Beispiel für die verheerenden Auswirkungen der Zerstörung von Mangrovenwäldern. Die Vernichtung der Mangrovenwälder zwischen 1950 und 2010 sorgte dafür, dass rund 267 000 Menschen mehr pro Jahr Überschwemmungen ausgesetzt sind. Die Wiederherstellung dieser Mangroven würde einen Überschwemmungsschutz von mehr als 450 Millionen US-Dollar pro Jahr bedeuten 

Effizientes Ökosystem 
Mangrovenwälder können aber noch viel mehr. Zwar besiedeln sie einen verhältnismässig kleinen Teil des Planeten, binden jedoch hocheffizient Kohlenstoff und gehören damit 

zu den kohlenstoffreichsten Ökosystemen pro Hektar. Sie speichern deutlich mehr Kohlenstoff als andere tropische und subtropische Ökosysteme. Der Verlust von Mangrovenwäldern hat auch indirekte Auswirkungen auf benachbarte Ökosysteme. So werden Korallenriffe anfälliger für Verschmutzungen. Mangroven halten die vom Land in die Flüsse eingetragenen Sedimente zurück und entfernen Schadstoffe aus dem Wasser, welche sonst ungefiltert die sensiblen Korallenriffe erreichen. 

Die Intensivierung der Landwirtschaft der letzten Jahre führt weiter dazu, dass immer mehr Nährstoffe (Phosphat, Nitrat) und Chemikalien (Pestizide, Herbizide) in die Gewässer gelangen und diese stark belasten. Ein Überangebot an Nährstoffen im Wasser hat eine Überdüngung zur Folge, was das Wachstum von Algen anregt, die die Wasserqualität verschlechtern. Dank des häufig nährstoffarmen Sediments und ihres dichten Wurzelwerks nehmen Mangroven sehr effizient Nährstoffe aus dem Wasser auf und sorgen so für sauberes Wasser im Küstenbereich. 

Das Bewusstsein für die Bedeutung der Mangroven steigt nach jedem katastrophalen tropischen Unwetter an. Leider aber ist der Ruf des Geldes oft stärker. 

Einige Länder sind allerdings einsichtig und es laufen Aufforstungsprojekte. Vietnam ist da ganz vorne dabei. In einer gross angelegten Wiederaufforstungsinititaive wurden rund 4000 Hektar Mangrovenwald im ganzen Land geschaffen. Die Wälder am Ca Cai-See in der Provinz Quang Ngai haben sich dabei sogar zum Touristenmagnet gemausert. Die Mangroven wurden nämlich mit Bambusrahmen umrandet, um ein geometrisches Muster zu schaffen. Die Wälder sorgen somit nicht nur für den nötigen ökologischen Schutz, sondern tragen durch die Entwicklung des Ökotourismus auch zur Verbesserung der Einkommenssituation und zur nachhaltigen Armutsbekämpfung bei. 

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