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Achtsamkeitsimpuls
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Achtsamkeitsimpuls

Der russische Präsident Wladimir Putin hat in Europa die Rechten begeistert, obschon er als KGB-Agent vom Sowjetkommunismus geprägt ist. Seine Männlichkeit, seine Macht und sein Sinn fürs Traditionelle haben es den Rechten angetan. Ein Lehrstück für emotionale Selbstfürsorge. 

von Anton Ladner

Sam Baldoni wurde als Hollywood-Schauspieler mit der Serie «Everwood» bekannt. Er war damals ein Schönling mit durchtrainiertem Körper, ein Frauentraum. Heute arbeitet der 38-Jährige als Filmregisseur und Filmproduzent. Vor einem knappen Jahr hat er das Buch «Mann genug» herausgegeben und darin die Auswirkungen traditionell definierter Männlichkeit dargestellt, denn als männliches Sexsymbol war er damit ständig konfrontiert. Er beschreibt seine eigenen Kämpfe um Einfühlungsvermögen und Ehrlichkeit, um Verletzlichkeit, gesundes Körperbild, Sex und Sexualität, Gleichberechtigung und Vaterschaft. Als Ehemann und Vater zweier Kinder schildert er aus Erfahrung von einem Leben jenseits der immer noch vorherrschenden Bilder der traditionellen Männlichkeit. Baldoni fordert Männer auf, mutig genug zu sein, um verletzlich zu sein, stark genug, um sensibel zu leben, und selbstbewusst genug, um zuzuhören. Er ermutigt Männer, tief in sich zu gehen und zu ergründen, was es bedeutet, ein Mensch zu sein. 

Das hat gar nichts mit dem Bild von Männlichkeit zu tun, das die Rechten am russischen Präsidenten Wladimir Putin bewundern. Ein Mann auf Distanz, unnahbar, emotionslos, dominant, machtgierig, gewaltsam und ohne Verbindung zu sich. Aber ein Bubi, und von denen gibt es in der Politik viele, wird erst zum Mann, wenn er seine Unvollkommenheiten und Unsicherheiten nicht mehr mit ständig vorgespielter Stärke tarnt. Mann genug wird man als Bubi erst mit der Verabschiedung vom Omnipotenzwahn, von der toxischen Männlichkeit. Frauen entfalten dabei eine wunderbare Wirkung, wenn man Mann genug ist, sich auf sie einzulassen. Aber Bubis haben Angst davor, sie rennen nur der weiblichen Schönheit nach. Denn sie leben die sinnentleerte Rolle der traditionellen Männlichkeit statt das Leben eines Menschen, der Mann genug ist. 

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