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Achtsamkeitsimpuls
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Achtsamkeitsimpuls

Gesundheitsinformationen aus den sozialen Medien haben erhebliche Risiken. Denn Falschmeldungen und Pseudowissenschaftliches wuchern wild. Wer sich um seinen Körper sorgt, muss heute Informationsquellen genau prüfen. 

Anton Ladner 

In einer kürzlich vom US-Magazin Economist in den USA durchgeführten Umfrage gaben 20 Prozent der befragten US-Bürger an, dass sie glauben, COVID-19-Impfstoffe würden einen Mikrochip enthalten. Ein Fünftel der Befragten vertrat die Theorie, Bill Gates wolle ihre Aktivitäten verfolgen. Die Umfrage ergab auch, dass nur 46 Prozent der Amerikaner bereit waren zu sagen, dass die Sache mit dem Mikrochip definitiv falsch sei. Das zeigt, in welchem Zustand die amerikanische Gesellschaft heute steckt. Deutlich wird damit aber auch, dass es immer schwieriger wird, in der Informationsflut Reales von Blödsinn zu unterscheiden, besonders im Gesundheitsbereich. Deshalb hat die Weltgesundheitsbehörde WHO vor zwei Jahren erklärt, die Welt befinde sich in einer «Infodemie». Damit ist gemeint, dass sich schädliche Falschmeldungen wie eine Infektionskrankheit ausbreiten. Pseudowissenschaftliche Glaubenssätze sind im Gesundheitssektor besonders fatal. Hier einige Beispiele: Mehr als ein Ei pro Woche ist ungesund, Impfstoffe verursachen Autismus, ein Glas Wein pro Tag schützt gegen Herzinfarkt usw.

Die Junk-Wissenschaft bedroht heute Wohlbefinden und Gesundheit und hat dazu beigetragen, wissenschaftliche Errungenschaften zu schwächen und Zweifel und Misstrauen zu schüren. Wissenschaftsfreie Stimmen haben immer endgültige Aussagen, ohne über Daten oder Fakten zu verfügen. Vor allem im Gesundheitsbereich entwickeln sich aber die Beweisgrundlagen weiter und deshalb ändern sich dann auch die medizinischen Empfehlungen. Wer seine Nachrichten aus den sozialen Medien bezieht, ist anfälliger für gesundheitliche Fehlinformationen, wie mehrere Studien 2020 ergeben haben. Im Frühling 2021 war auf Facebook der am meisten aufgerufene Beitrag eine Meldung, dass der COVID-19-Impfstoff jemanden getötet habe. 54 Millionen Mal wurde diese Falschmeldung innert drei Monaten aufgerufen. Eine Analyse der Aktivistengruppe Avaaz aus dem Jahr 2020 schätzt, dass der von Facebook verwendete Algorithmus in nur einem Jahr 3,8 Milliarden Aufrufe von Fehlinformationen zum Thema Gesundheit generiert habe. Eine Studie aus der Anfangszeit der Pandemie brachte zudem mehr als 800 Todesfälle in Verbindung mit der über soziale Medien verbreiteten Behauptung, Methanol wirke gegen COVID-19. Fazit: Wer kritisches Denken anwendet und sich der Taktiken bewusst wird, mit denen Falschinformationen verbreitet werden, hat ein wirksames Werkzeug für die körperliche Selbstfürsorge. 

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