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Achtsamkeitsimpuls
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Achtsamkeitsimpuls

Die Tage sind heiss und es ist der Ferienmonat August. Viele träumen davon, einfach nur am Strand zu liegen und nichts zu tun. Die Vorstellung von Müssiggang ist einfach, ihn zu leben aber recht schwierig. 

von Anton Ladner 

In «The Importance of Being Earnest» lässt Oscar Wilde seinen Protagonisten Algernon sagen, es sei furchtbar anstrengend, nichts zu tun. Viele machen derzeit diese Erfahrung an den besonders heissen Tagen oder in ihren Ferien in den Bergen oder an einem Strand. Der Müssiggang, das von Pflichten befreite Dolce far niente, das reine Nichtstun, ist für viele eine Trauminsel. Kaum erreicht und betreten, wird sie jedoch schnell zu einer Art Höllenort, das reine Nichtstun zur Folter. Das Phänomen kannten bereits die alten Griechen. Aristoteles definierte die Arbeit als Erfüllung und die Pause als Voraussetzung für eine gute Arbeit. Die Freizeit war für ihn derweil der Höhepunkt des menschlichen Lebens, der erklommen werden müsse. 

Viele Jahre lang galt die Freizeit als das goldene Versprechen des Wohlstands. Karriere machen und dann so viel verdienen, dass man mit 50 Jahren nicht mehr arbeiten muss, lautete die gängige Formel. Die Arbeit galt nicht als Selbstzweck, sondern war ein Mittel zu etwas Angenehmerem, der Schlüssel zu Ruhe und Entspannung, frei von weltlichen Sorgen. Doch diese Freizeit braucht Anstrengung, Übung und Erfahrung. Denn der Satz «Zeit ist Geld» wirkt in allen Köpfen, vor allem in der Freizeit. Zudem ist die Gehirnchemie auf ständige Unterhaltung eingestellt. Nichtstun wird deshalb schnell als unangenehm wahrgenommen.  

In einer Studie aus dem Jahr 2014 liessen Forscher Menschen sechs bis 15 Minuten lang allein in einem Raum, ohne etwas zu tun. Sie stellten fest, dass die Teilnehmer sich fast jeder verfügbaren Aktivität zuwandten, auch Elektroschocks an sich selbst. Sogar Schmerzzufügung wird demnach als besser empfunden als reines Nichtstun. Das erklärt auch der ständige Griff nach dem Smartphone in Wartephasen. Aber: Trotz dieser Schwierigkeiten tut es gut, zu lernen, nichts zu tun. Wenn man seinen Gedanken freien Lauf lässt, kann man besser kreative Problemlösungen finden. Unbewusste Gedanken während des Nichtstuns können zu originelleren Ideen führen: Descartes soll sein revolutionäres Koordinatensystem im Bett erfunden haben, während er eine Fliege an der Decke beobachtete. Einstein soll träumend auf seine allgemeine Relativitätstheorie gestossen sein. Und: Ein wenig Langeweile kann auch erfrischen. 

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