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Achtsamkeitsimpuls
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Emotionale Selbstfürsorge

Es gibt eine hässliche Emotion, über die man nicht gerne spricht, weil sie entlarvt und auch etwas blossstellt: der Neid. Dennoch ist er eine Triebfeder, die dazu verleitet, Dinge zu tun, die unglücklich machen. Wie man sich davon befreit. 

Anton Ladner  

Der Neid ist die einzige Sünde, die in den zehn Geboten an zwei Stellen erwähnt wird: «Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus», steht im neunten Gebot. Und: «Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Vieh noch alles, was dein Nächster hat», heisst es im zehnten Gebot. Bei diesen Regeln handelt es sich um urmenschliches Wissen, was zeigt, dass im Neid eine grosse Gefahr gesehen wurde.  

Alle sind ab und zu, wenn auch nur für wenige Sekunden, mit Neid konfrontiert, man kann ihm nicht völlig entkommen. Denn der soziale Vergleich definiert den Platz in der Gesellschaft und zeigt, wonach man streben muss, um im Wettbewerb bestehen zu können. Früher war das wahrscheinlich überlebenswichtig. Heute kann Neid hingegen zu destruktiven Handlungen wie feindseligen Gedanken und Verhaltensweisen führen, die darauf abzielen, zu schaden. Dadurch beeinträchtigt man sich aber selbst. 

Denn Neurowissenschaftler haben herausgefunden, dass Neid auf andere Menschen den anterioren Kortex des Gehirns stimuliert, der auch mit seelischen Schmerzen in Verbindung gebracht wird. Eine Untersuchung mit 18 000 Personen ergab vor vier Jahren zudem, dass anhaltender Neid ein Hinweis auf eine schlechtere psychische Gesundheit und ein geringeres Wohlbefinden in der Zukunft war. Normalerweise werden Menschen mit zunehmendem Alter psychisch gesünder, Neid kann diesen Trend aber ausbremsen. Einige Untersuchungen deuten auch darauf hin, dass sich das Neidgefühl der Menschen mit dem Alter verändert. Männer beneiden dann vor allem sozialen Status und das Prestige, Frauen derweil körperliche Attraktivität.  

Um Neid zu empfinden, muss man also mit Menschen zu tun haben, die mehr Glück, mehr Status oder ein besseres Aussehen zu haben scheinen als man selbst. Wie damit umgehen? Sich auf die normalen Dinge im Leben konzentrieren, die auch beneidete Menschen zu 99 Prozent leben müssen. Die sozialen Medien nutzen, um mit echten Freunden in Kontakt zu bleiben und nicht um zu verfolgen, wie sich Unbekannte darstellen. Hilfreich ist auch, aufzuhören, selbst beneidet werden zu wollen. Denn sich und anderen die Wahrheit zu verbergen ist auch ein sicherer Weg zu Angst und Unglücklichsein.

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