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Achtsamkeitsimpuls
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Achtsamkeitsimpuls

Selbsthilfegruppen können bei psychischen und körperlichen Problemen oder bei Beeinträchtigungen in sozialen Lebensformen Unterstützung geben. Die Selbsthilfegruppen sind deshalb eine wichtige Säule des Gesundheitswesens. Mit etwas Mut kann man eine ähnlichen Wirkung im Freundeskreis finden.

von Anton Ladner 

Der Film «Einer flog über das Kuckucksnest» warf 1975 einen langen Schatten auf die öffentliche Wahrnehmung von kollektiven Psychotherapien. Er handelt davon, wie ein Neuankömmling in einer Klinik (hervorragend gespielt von Jack Nicholson) die dort herrschende Ordnung infrage stellt und aus den Fugen geraten lässt. Knapp 50 Jahre später bestehen vor allem in der angelsächsischen Kultur geführte Selbsthilfegruppen für eine Vielzahl von Anliegen. Sie reichen von Übergewicht, Sexsucht bis hin zu Programmen für ein besseres Leben. Es fällt offensichtlich leichter, in einem Raum mit lauter Fremden aufzustehen und über seine Sorgen zu reden als in einem kleinen Rahmen mit Leuten, die man kennt. Das hängt wohl mit der Scham zusammen, dass es weniger schwierig ist, sich fremden Menschen gegenüber zu öffnen, weil die Sorge um den eigenen Status wegfällt. Deshalb sind therapeutische Zusammenkünfte ausserhalb des eigenen Bekanntenkreises stark im Kommen. Als Individuum von einer Gruppe von Menschen und nicht ausschliesslich von einer Fachperson betreut zu werden empfinden viele als angenehm und hilfreich. In der Selbsthilfegruppe kommt es zu aktivem Austausch, zu konkreten Beispielen und dadurch auch zu heilsamen Relativierungen. Die Leute sprechen sich darüber aus, wie man ein Problem lösen könne und wie man dadurch besser leben könnte. Das kann schnell Freude bereiten, weil Nähe und Erleichterung spürbar werden.

Der Schlüssel zur Veränderung und zur Umkehr im eigenen Leben liegt darin, dass man es wirklich will und dann danach sucht. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg, heisst es. Aber oft besteht von der gewünschten Veränderung eine diffuse Vorstellung. Und je vager sie ist, desto schwieriger wird die Wahl des Weges. Gespräche helfen da, die gewünschte Änderung durch Benennung zu schärfen, und die Reaktionen darauf führen zu neuen Ideen, welcher Weg eingeschlagen werden könnte. Noch wirksamer kann das werden, wenn man diesen offenen Austausch in seinem eigenen Kreis wagt. Das braucht etwas Mut, weil man dabei in Kauf nimmt, seine Aussenwirkung zu relativieren. Aber oft wird ja nur benannt, was die Bekannten schon längst wahrgenommen haben. Das führt zu einer Selbstfürsorge im Freundeskreis, die Beziehungen vertieft, weil eine neue Offenheit möglich wird.

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