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Achtsamkeitsimpuls
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Achtsamkeitsimpuls

Als Erwachsener ist es schwieriger, aber manchmal notwendig: sich aktiv von Freunden zu trennen. Das setzt ein Bilanzziehen und eine kognitive Selbstfürsorge voraus. Denn die Gefahr ist gross, dass man sich etwas vormacht.

von Anton Ladner

Die Menschen lieben Gewohnheiten und deshalb bestehen so viele Freundschaften nur noch aus Gewohnheit. Da sind die Freunde, die einen immer im Stich lassen. Oder derjenige, bei dem man nur Zuschauer und Zuhörer sein darf. Wie macht man mit solchen Freunden Schluss? Indem man eine Freundin oder einen Freund konkret testet. Tritt man mit einer klaren Haltung und Erwartung in Kontakt, wird die Reaktion nämlich viel bewusster wahrgenommen. Daran leiden viele durchgeschleppte Freundschaften: Diffusen negativen Gefühlen schenkt man kaum Beachtung, man hält an einem früheren Status quo fest und macht sich dadurch etwas vor. Dass sich Lebensweisen und gelebte Werte über die Jahre verändern, gehört zum Menschsein. Zu erwarten, dass solche Entwicklungen synchron mit dem Freundeskreis verlaufen, erweist sich früher oder später als Illusion. Eine Freundschaft funktioniert aber nicht einseitig, sie braucht auch gemeinsame Interessen. Dabei ist es ganz natürlich, dass auch eine funktionierende Freundschaft Ebbe und Flut untersteht. Aber wenn sich die Werte ändern, was zum Älterwerden gehört, kommt eine andere Dynamik auf. Man möchte mehr Zeit mit Menschen verbringen, deren Werte den eigenen entsprechen.

Freundschaften können auch auf eine schiefe Ebene geraten, weil bestimmte Ansichten zu einem Missionieren führen. Der Putin-Versteher, der die NATO für den Ukraine-Krieg anprangert, ist derzeit nicht die Person, mit der man gerne den Samstagabend geniessen möchte. Freunde können Meinungsverschiedenheiten und unterschiedliche Überzeugungen haben, aber ab einem gewissen Punkt muss eine Grenze gezogen werden. Die Übernahme der Verantwortung für eine sich verschlechternde Freundschaft mit einem entschlossenen Handeln hat nicht nur eine traurige Seite. Es gibt auch die positive der Selbstwirksamkeit, die Erfahrung, sich für sich zu exponieren. Es ist nicht verkehrt, die eigenen Bedürfnisse in den Vordergrund zu stellen, um das eigene Wohlbefinden zu schützen. Dabei muss in Kauf genommen werden, dass nicht jede Freundschaft unter guten Bedingungen endet. Das ist auch nicht so wichtig, was zählt, ist das Ende.

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