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Achtsamkeitsimpuls
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Achtsamkeitsimpuls

Die Zeit ist nicht knapp. Dennoch herrscht dieser Eindruck vor, weil man falsch mit ihr umgeht. Man nutzt sie nämlich zu wenig, um zu faulenzen.  

von Anton Ladner 

Wir verbringen unsere Tage damit, Aufgaben zu erledigen, um sie aus dem Weg zu räumen. Beim Versuch, produktiver zu sein, gerate aber aus dem Blick, was wirklich wichtig sei, so Oliver Burkeman. Er vertieft diese Thematik in seinem neuen Buch «4000 Wochen – das Leben ist zu kurz für Zeitmanagement», das Anfang des Jahres in Deutsch erschienen ist. Oliver Burkeman ist 1975 in Grossbritannien geboren und lebt heute in New York, wo er für die New York Times und das Wall Street Journal schreibt. Er ist also mit den täglichen Herausforderungen eines modernen Lebens konfrontiert.  

Wenn das Wichtige im Leben aus dem Blick gerät, entsteht ein emotionales Defizit. Deshalb rät Burkeman, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und intelligent zu verschieben. Die hohe Kunst besteht laut dem Autor darin, zu akzeptieren, dass man nicht mit allem Schritt halten kann. Dazu gehört auch zu lernen, dass unvorhergesehene Ereignisse nicht die Zeit auffressen, sondern zu einem erfüllten Leben gehören.  

Burkeman nennt dies ein strategisches Versagen, das darin bestehe, «im Voraus ganze Lebensbereiche zu definieren, in denen man keine Spitzenleistungen erwartet».  

Da man alle Aufgaben, die man sich vorgenommen hat, in der Regel nie vollständig erledigen könne, würden die meisten heute in einer Produktivitätsschule leben. Die Erfahrung zeigt: Das belastet, drückt die Stimmung und hindert daran, das zu geniessen, was emotional erfüllt. Burkeman empfiehlt daher, in umgekehrter Richtung zu denken. Das heisst, den Tag mit einem leeren Blatt Papier zu beginnen und dann aufzuschreiben, was man erledigt hat. Wenn alles zu schnell zu gehen scheint, weil es unendlich viel zu tun gibt, schlägt Burkeman vor, mit der doppelten Intensität zu leben. Konkret: Dinge tun, die bereichern und erfüllen. Die Routine durchbrechen, was man sich sonst nicht erlaubt, um die Aufgaben zu erledigen. Eine der Säulen des Zeitmanagements ist für ihn, faulenzen zu praktizieren. Wenn man nicht aufhören könne, über offene Arbeiten nachzudenken, liege das auch daran, dass man nicht wisse, genussvoll still zu stehen.  Sich darin zu üben, nichts zu tun, bedeute auch, dem Drang zu widerstehen, ständig zu intervenieren. Es ist eben nicht leicht, Menschen und Dinge so zu lassen, wie sie sind.

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