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Achtsamkeitsimpuls
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Achtsamkeitsimpuls

Das Internet kann giftig oder unproduktiv erscheinen, vor allem wenn man nicht allein lebt. Die Unerreichbarkeit einer extrem online lebenden Person, ob Partner oder Kind, wird schnell zu einer Herausforderung.  

 

von Anton Ladner 

Es gibt sie heute, die extrem online lebenden Personen. Nach dem Aufwachen sind sie gleich online, bis sie viele Stunden später in ihrem Bett tief ins Kopfkissen einsinken. Dazwischen lesen und verfassen sie WhatsApp-Nachrichten, SMS, Mails, schauen Katzenvideos und begutachten zugeschickte Fotos – beim Frühstück, beim Lunch und beim Nachtessen. Ihr Online-Sein erscheint der betroffenen Umgebung bald einmal als Krankheit, chronisch und unheilbar. 

Wenn in Beziehungen nur eine Person sehr online-affin ist, führt das begreiflicherweise zu Reibereien und Beziehungskrisen. Die permanente geistige Abwesenheit eines physisch Anwesenden vermittelt den Eindruck, dass das Hier und Jetzt völlig uninteressant sei. Das kränkt – früher oder später. Offline-Menschen erscheinen da viel interessanter, auch wenn sie nichts zu sagen haben, einfach dadurch, dass sie ansprechbar sind. Ein aktives Social-Media-Leben einer Partnerin, eines Partners oder Kindes macht sie zu Hause sozial gesehen ziemlich unattraktiv. Denn das Internet bietet eine wunderbare Welt, die man mit anderen, vermeintlich viel interessanteren Menschen teilen kann. Deshalb kann das Internet das Ego der Menschen sehr gut füttern. Wer seine lieben Menschen zu Hause nicht mehr erreicht, weil sie extrem oft online sind, kann sie online erreichen. Mit Bildern von Tieren, witzigen Videos oder kurzen Meldungen. Dies kann ein Weg sein, neue Nähe zu schaffen und Zuneigung auf eine andere Weise zu vermitteln. Das ist wesentlich konstruktiver, als das Online-Verhalten abzulehnen, eine digitale Entgiftung zu verlangen und ständig Kritik zu üben. Was man nicht besiegen kann, muss man in sein Leben integrieren. Denn die Vorstellung von einem reineren, gesünderen Leben ohne Internet ist die Sehnsucht nach einer Wirklichkeit, die es nicht gibt. Und: Die Beschäftigung mit Hunden oder Katzen erweist sich ebenfalls als eine grosse Hilfe. Denn derzeit weist nichts darauf hin, dass auch sie online gehen werden. 

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