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Eine gesellschaftliche Frage findet zunehmend Bedeutung: Wie steht es um das Recht auf menschenwürdiges Wohnen?

 

Hanspeter Schmitt

 

Angemessenes und bezahlbares Wohnen zählt zu den Menschenrechten, weil davon die Sicherung von Grundbedürfnissen wie Privatsphäre, Gesundheit und Lebensentfaltung abhängt. Politische Akteure sind in der Pflicht, dafür einzustehen, dies auch dort, wo Menschen wegen Vertreibung, Armut und Krisen kein Dach über dem Kopf haben. In unseren Breiten scheinen nur auf den ersten Blick solche Notlagen selten zu sein. Denn oft ist das Wohnangebot knapp, die Nachfrage aber hoch, was zu horrenden Mietpreisen führt, die sich Familien, Geringverdienende oder Studierende nicht leisten können. Sie müssen für günstiges Wohnen grosse Einbussen ihrer Wohnqualität hinnehmen oder werden aus Wohnungen und Städten verdrängt – von Luxussanierungen, die Quartiere komplett verändern, ganz zu schweigen.

Natürlich haben Vermietende das Recht, einen Mietpreis zu erheben, der ihre Kosten deckt und ihnen einen Gewinn für ihr zur Verfügung gestelltes Eigentum einbringt. Um jedoch der Nötigung und Ausbeutung von darauf Angewiesenen, materiell aber schlecht Gestellten vorzubeugen, reichen die Durchschnittswerte der kantonalen Mietspiegel nicht aus. Vielmehr braucht Politik die Kraft, die Freiheit des Marktes und den Schutz verletzlicher Personen gleichrangig zu behandeln. Daher führt an «gedeckelten» Mieten für prekäre Wohnregionen notfalls kein Weg vorbei, genau wie der soziale Wohnungsbau mit allen Mitteln gefördert werden muss.

 

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