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volodymyr hryshchenko
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Kork ist ein erstaunliches Material, mit dem sich Produkte aller Art umweltfreundlich herstellen lassen. Allerdings erlebte Kork vor einigen Jahren eine Krise, wodurch das Material in Vergessenheit geriet. Jetzt feiert es ein Comeback. Und das Beste: Für den Kork muss keine einzige Quercus suber, also Korkeiche, sterben. 

Florencia Figueroa 

Sie schützt vor Sonne, Nässe, Kälte, hält Insekten fern und verhindert, dass das Geäst austrocknet: Die Rinde ist für den Baum, was für uns Menschen die Haut ist – und dementsprechend auch lebensnotwenig, oder? Fast. Denn es gibt tatsächlich weltweit einen Baum, dessen Rinde man am lebenden Stamm ernten kann, ohne dass er flugs abstirbt: Quercus suber, die Korkeiche, wurde 2018 zum Europäischen Baum des Jahres gewählt. Ihre Baumrinde, der Kork, wird von der Menschheit bereits seit vielen Jahrtausenden genutzt. Selbst die alten Ägypter kannten das vielfältige Material. Doch obwohl sich aus Kork zig Gebrauchsgegenstände wie Bodenbeläge, Schuhe, Schirme, Sohlen, Taschen, Postkarten, Wärme- und Schalldämmung fertigen lassen, endet der grösste Teil des Korks als Korkstopfen. Mit anderen Worten: Aus der hochwertigen Rinde werden hauptsächlich Flaschenkorken für Weine hergestellt. 

Ja, darauf haben sich die Korkhersteller spezialisiert. Dazu muss man wissen, dass die Korkeiche dem Mittelmeerraum entstammt und somit vorwiegend in Portugal, Italien, Spanien und Teilen Algeriens wächst, wobei Portugal der global grösste Korkproduzent ist. Die Korkindustrie stellt einen der wichtigsten Wirtschaftssektoren in Portugal dar – der durch die Kork-Krise jedoch arg in Bedrängnis geriet. 

 

Eine schlechte Alternative
Auslöser der Kork-Krise war der Korkton. Dabei handelt es sich um einen üblen Geruchs- beziehungsweise Geschmacksfehler des Weins, der auf den Kork zurückgeht. Weil also der Wein aufgrund des Korkverschlusses schlecht zu werden drohte, verzichteten immer mehr Winzer auf den Korkstopfen und wichen stattdessen auf den Drehverschluss aus Aluminium aus. Dadurch ging die Korknachfrage zurück. 

Die Kork-Krise war aber nicht nur für Portugals Wirtschaft eine Katastrophe, sondern auch für die dortige Umwelt. Korkeichenwälder sind nämlich Heimat vieler Pflanzen- und Tierarten. Darüber hinaus tragen sie zur Regulierung des Wasserhaushalts und zum Schutz der Böden bei. Korkeichenwälder binden ausserdem grosse Mengen an CO2, einer der Hauptverantwortlichen für den Klimawandel. Doch aufgrund der Kork-Krise ging ein beachtlicher Teil der Korkeichenwälder verloren, was wiederum die Fauna und Flora in Portugal gefährdete. Das Schlimmste war allerdings, dass die Korkstopfen ausgerechnet mit Verschlüssen ersetzt wurden, die eine der schlechtesten CO2-Bilanzen aufweisen: So sollen Alu-Schraubverschlüsse bei ihrer Herstellung 24 Mal mehr Kohlendioxid freisetzen als der Kork, der der Natur nützt, indem er die Tier- und Pflanzenvielfalt schützt und die Erdatmosphäre entlastet. 

 

Robuste Korkeiche
Inzwischen hat sich die Kork-Krise etwas gelegt. Zum einen stellte sich heraus, dass auch künstliche Verschlüsse einen unangenehmen Geruch und Geschmack im Wein entwickeln können. Und zum anderen hat die Kork-Industrie ihre Korkstopfen qualitativ verbessert, wodurch das Risiko eines Korktons vermindert werden konnte. 

Die Krise hatte aber auch einen erfreulichen Nebeneffekt: Weil die Nachfrage an Korkstopfen massiv gesunken war, sah sich die Kork-Industrie gezwungen, ihre Produktpalette zu erweitern. Man besann sich dabei der vielen positiven Materialeigenschaften: leicht, flexibel, wasserabweisend, isolierend, dämmend, biologisch abbaubar und so gut wie unverwüstlich sowie schwer entflammbar. Die in Portugal oft auftretenden Waldbrände überstehen die Korkeichwälder fast unbeschadet. Aus all diesen Gründen eignet sich der Kork für die Herstellung vielerlei Produkte, die zudem noch umweltfreundlich sind. Alle neun bis zwölf Jahre kann der immergrüne Laubbaum geschält werden. Dabei muss man sehr vorsichtig vorgehen, um den Baumstamm nicht zu verletzen, da dieser sonst absterben könnte. Wenn man alles richtig macht, kann die Korkeiche während ihrer Lebensdauer, die bis zu 250 Jahre beträgt, an die 700 Kilogramm Kork zur Verfügung stellen. 

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