Kundendienst: Tel. 056 203 22 00 kundendienst@diemedienag.ch
volodymyr hryshchenko
  • Facebook
  • Twitter

Sie hellt die Zähne auf und kann erst noch jegliche Schmutzpartikel und Bakterien verschwinden lassen: Die Zahnpasta mit Aktivkohle soll ein wahres Wundermittel sein. Doch was hat es auf sich mit dieser Aktivkohle?

von Florencia Figueroa

Kohle ist nicht gleich Kohle. Es gibt tatsächlich verschiedene Arten. Und eine davon heisst Aktivkohle – ebenso als medizinische Kohle bekannt –, die sich von anderen Sorten dadurch unterscheidet, dass sie viel poröser ist und eine grössere Oberfläche hat. Dieser Umstand bringt einen entscheidenden Vorteil mit sich: Er macht Aktivkohle zu einem überaus starken Bindemittel. Wie ein Schwamm saugt sie jegliche Stoffe auf und hält sie in ihren Poren gefangen. Aufgrund dieser absorbierenden Fähigkeiten kommt Aktivkohle, die aus rein pflanzlichen Rohstoffen wie Torf, Baumrinde oder Nussschalen gewonnen wird, in den unterschiedlichsten Bereichen zum Einsatz. Beispielsweise in der Trinkwasseraufbereitung, wo Aktivkohle Mikroplastik, Bakterien und Keime aus dem Wasser filtert. Oder in der Lüftungstechnik, wo Aktivkohle giftige Gase oder üble Gerüche entfernt. Auch in der Zahnmedizin findet Aktivkohle zunehmend Anwendung. Ja, Zahnpasta mit Aktivkohle wird gerade regelrecht zu einem Trend. Schliesslich ist Aktivkohle ebenfalls imstande, etwaige im Mund vorhandene Schmutzpartikel und Bakterien an sich zu binden und die Zähne dadurch aufzuhellen.

Zahnpasta mit Aktivkohle sei daher besser als herkömmliche Zahnpasta. Das zumindest behauptet die Werbung. Aber stimmt das? Und birgt Aktivkohle in der Zahnpasta womöglich Risiken, von denen man wissen sollte?

Absorbierende Wirkung geht flöten
Die Wahrheit: Zahnpasta mit Aktivkohle ist nicht über alle Zweifel erhaben. Zwar soll sie in der Tat einen aufhellenden Effekt erzielen, allerdings nur für kurze Zeit. Problematisch sind hingegen die langfristigen Folgen. Der Grund: Wie bereits erwähnt, ist Aktivkohle besonders porös, was bedeutet, dass sie im Vergleich zu herkömmlicher Zahnpasta über eine viel höhere Reibungskraft verfügt. So werden zugegebenermassen Schmutzpartikel und Bakterien besser abgewetzt, jedoch greift die Aktivkohle mit der Zeit zudem den Zahnschmelz an. Die Zähne werden also – benutzt man Aktivkohle des Öfteren – aufgrund des Verlusts der Zahnschutzschicht nicht nur anfälliger für Krankheiten wie Karies, sondern reagieren darüber hinaus schmerzempfindlicher.

Von Zahnexperten bezweifelt wird des Weiteren die Absorbierungskraft der Aktivkohle in der Zahnpasta. Denn Aktivkohle – das ist unbestritten – kann zwar Bakterien und Schmutzpartikel an sich binden. Aber da sie in der Tube über einen längeren Zeitraum mit allen anderen Inhaltsstoffen der Zahnpasta in Kontakt kommt, verliert sie ihre schadstoffbindende Wirkung, weil sie sich mit den anderen Inhaltstoffen vollgesaugt hat. Im Mund sei die Aktivkohle demnach nicht mehr vollends in der Lage, Bakterien und Schmutzpartikel zu absorbieren, sind die Zahnexperten überzeugt.

Aktivkohle durch Russ ersetzt
Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass die Aktivkohle bei der Absorption nicht zwischen schädlichen und notwendigen Stoffen unterscheiden könne, weshalb auch für den Mund nützliche Stoffe eliminiert werden könnten. Verschlimmert werde das Ganze, weil zahlreiche Zahnpastasorten mit Aktivkohle kein Fluorid enthalten würden. Herkömmliche Produkte beinhalten diesen Stoff in der Regel, weil er dabei hilft, den Zahnschmelz aufzubauen. Das Problem bei Aktivkohle ist, dass sie diesen Stoff absorbiert. Es bringt also so gut wie nichts, wenn man ihn beimischt, weil er ohnehin grösstenteils in der Aktivkohle verschwindet. Einige Hersteller verzichten demnach darauf. Doch egal, ob nun gar kein oder nur ein wenig Fluorid in der Aktivkohle-Zahnpasta enthalten ist – in beiden Fällen geht der Verbraucher durch den alleinigen Gebrauch einer Aktivkohle-Zahnpasta ein erhöhtes Kariesrisiko ein –, nicht so bei herkömmlichen Zahncremes mit reichlich Fluorid.

Neben dem Fluoridgehalt sollten Konsumenten zudem darauf achten, welche Art von Kohle in der Zahnpasta steckt. «Carbon Black» ist ein Industrieruss mit schwarzer Farbe, aber ohne Wirkung. Er soll sogar krebserregend sein. Die richtige Aktivkohle heisst «Charcoal», weshalb man auf der Inhaltliste darauf Ausschau halten sollte. Fazit: Zahncreme mit Aktivkohle kann man hier und da verwenden. Sie sollte jedoch nicht die Zahnpasta sein, die man jeden Tag benutzt.

Share This